ATMEN ALS MEDIZIN
Liebe PatientInnen,
ESSEN nährt den Körper. BEWEGUNG belebt die Muskeln, SCHLAF ist die dritte Säule der Gesundheit.
Warum richtiges Atmen gelernt werden muss
Die meisten Menschen denken: „Atmen läuft doch automatisch, das macht der Körper von selbst.“
Das stimmt – aber: automatisch heißt nicht automatisch optimal. Viele von uns atmen zu flach, zu schnell oder durch den Mund, ohne es zu merken. Das hat Folgen für Schlaf, Stresslevel, Haltung, Blutdruck und sogar die Zahn- und Kieferentwicklung.
Was falsches Atmen mit dem Körper macht
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Mundatmung führt häufig zu:
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trockenen Schleimhäuten und anfälligeren Atemwegen
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höherem Puls und Blutdruck
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mehr Stress im Nervensystem (Sympathikus-Aktivierung)
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Schnarchen, Schlafapnoe und unruhigem Schlaf
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Flache Brustatmung (statt tiefer Bauchatmung) kann:
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Verspannungen in Nacken und Schultern fördern
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die Sauerstoffversorgung verschlechtern
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innere Unruhe und „Dauerstressgefühl“ verstärken
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Der Journalist James Nestor beschreibt in seinem Buch Breath-Atem eindrücklich, wie Atemmuster Gesundheit, Leistungsfähigkeit und sogar die Gesichts- und Kieferform beeinflussen. Sein Gespräch auf YouTube (siehe unten) gibt einen guten Einstieg in das Thema.
Mund- vs. Nasenatmung
Nasenatmung – die „medizinische“ Variante
Vorteile der Nasenatmung:
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Luft wird gefiltert, erwärmt und angefeuchtet
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Stickstoffmonoxid (NO) wird gebildet – das erweitert die Gefäße und verbessert die Sauerstoffaufnahme
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geringeres Risiko für Halsschmerzen, Infekte und Reizungen
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bessere Schlafqualität, weniger Schnarchen und ruhigerer Puls
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positive Wirkung auf Kieferentwicklung und Zahnstellung (vor allem bei Kindern)
Mundatmung – nur als Notfallmodus gedacht
Nachteile der chronischen Mundatmung:
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trockene Schleimhäute, häufiger Hustenreiz
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höheres Risiko für Karies und Zahnfleischprobleme
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unruhiger Schlaf, mehr Müdigkeit am Tag
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oft offene Mundhaltung, die Kiefer- und Gesichtsform langfristig beeinflussen kann
Kurz gesagt: Für den Alltag und besonders für Ruhe und Schlaf ist die Nase der ideale Weg für die Atmung.
Dentosophie – weil Atmung, Zähne und Kiefer zusammenhängen
Die Dentosophie hat als Ziel das Neu-Erlernen von:
- Atmen
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Kauen
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Schlucken
Die Grundidee: Fehlstellungen und chronische Mundatmung beeinflussen sich gegenseitig und können über myofunktionelle Ketten auf den ganzen Körper wirken. Haltung, Schlafqualität, Konzentration und Allergien können bei Kindern und bei Erwachsenen verändert werden.
Über sanfte funktionelle Ansätze (z.B. spezielle Schienen, Zungen- und Atemübungen) kommen sie wieder zu einer physiologischen Nasenatmung und besseren Kieferfunktion.
Wer sich gezielt damit beschäftigen möchte und langfristig zum Nasenatmer werden will, findet weitere Informationen bei Dr. Cornelius Rennow, Facharzt für Allgemeinmedizin, Dentosophie & AHNF.
Konkrete Tipps für „gesundes Atmen“ im Alltag
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Bewusst durch die Nase atmen: Mehrmals täglich kurz überprüfen: „Ist mein Mund geschlossen?“
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Langsamer atmen: 4–5 Sekunden ein, 5–6 Sekunden aus – das beruhigt das Nervensystem.
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In den Bauch atmen: Hand auf den Bauch, beim Einatmen hebt sich die Hand, beim Ausatmen senkt sie sich.
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Beim Schlafen auf Nasenatmung achten: Mundtape (sanftes, dafür geeignetes Pflaster, mit Arzt/Ärztin absprechen) kann helfen, wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen.
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Kiefer & Zunge beobachten: Zungenspitze liegt idealerweise am Gaumen hinter den Schneidezähnen, Lippen sind sanft geschlossen.
Wer merkt, dass er dauerhaft durch den Mund atmet, schnarcht, oft erkältet ist oder Kinder mit offener Mundhaltung beobachtet, sollte das ärztlich oder zahnärztlich (am besten funktionsorientiert) abklären lassen – Atmen ist eine der wichtigsten „Medizinen“, die wir jeden Tag selbst in der Hand haben.